DRAGO PERSIC

 Mäusetot

31. Mai – 13. Juli 2019

 Systematische Erfassung der eingesetzten Pigmente (Züricher Auswahl) beim Versuch alle darstellbaren Farben zu malen

 Pro Bild wurde ein reines Pigment (Ölfarbe) für das zu malende Tuch eingesetzt, erhellt durch ein Weiß und abgedunkelt durch ein Schwarz. Es wurden die klassischen, aktuellen Pigmente gewählt, die einen möglichst feinen graduellen Unterschied von einer Farbe demonstrieren. Die an das Tuch angrenzenden Farbverläufe (Gouache, Acryl) ergaben sich zufällig aus den noch nicht verwendeten Primär- und Sekundärfarben. Ein blaues Tuch trifft somit einmal auf ein Gelb, ein Rot, ein Grün, ein Orange, ein Braun etc.

 Die gleich großen, kleinformatigen Leinwände (39 x 25 cm) zeigen Variationen eines theoretisch unendlich wandelbaren Motivs: Ein Tuch, das über die Kante eines Tisches drapiert ist.

Pigmentauswahl

PY 34      Chromgelb

Das van Gogh-Sonnenblumengelb besteht aus giftigem Bleichromat (Krokoit). Es ist ein brillantes Gelb, welches unbeständig ist, da es nachdunkelt. Gewünscht hatte sich van Gogh das wesentlich teurere Kadmiumgelb. Abgesehen davon ist es schön, dass sich die Farbe der Blumen verändert - so wie in der Natur beim Welken.

PY 39      Auripigment

Das äußerst giftige Arsengelb, welches auch Rauschgelb oder Königsgelb genannt wird, ist eines der ältesten Gelbpigmente. Die rötlichere Variante mit dem Namen Realgar wurde aus dem Arabischen fälschlicherweise u.a. mit Mäusetot übersetzt. Die Bezeichnung scheint aber nicht ganz abwegig zu sein, da das Arsen auch als Rattengift Verwendung fand. Gefirnist hängt das giftige Arsensulfid in so manchem Museum. Ohne den Firnis würde sich das Arsensulfid in Arsenoxid (Arsenik) umwandeln (siehe die Arsenesser aus der Steiermark, auch Kokain der Bauern genannt – siehe Hittrach, Hüttenrauch etc.)

PY 40      Aureoline

Im Farbton ähnelt dieses Kobaltgelb dem Kadmiumgelb, ist jedoch im Gegensatz dazu höchst lasierend.

PY 41      Neapelgelb

Neapelgelb basiert auf dem giftigen Bleiantinomat. Das Gelb hat allerdings nichts mit der Stadt Neapel zu tun. Der Irrtum und der Name entstanden durch eine frühe Aufzeichnung des Scheinkuppelmalers Andrea Pozzo. Das Pigment wurde vor allem zwischen 1750 und 1850 eingesetzt, u.a. von Francisco de Goya, Jacques-Louis David, Jean-August-Dominique Ingres, Eugène Delacroix, Paul Cézanne.

PY 119    Toskaner Erde

Ein Zinkeisenbraun. Als gelbes Pigment klassifiziert, findet dieses moderne Braun in der Lackindustrie Verwendung.

PY 129    Grüngoldgelb

Grüngoldgelb wird auch unter dem Namen Irgazin gehandelt, ein Fabrikationsname der Firma BASF (früher Ciba-Geigy) für besonders lichtechte Farbstoffe.

PY 184    Vanadiumgelb

Das 1985 entwickelte Pigment, auch Bismuthgelb genannt, ist eine umweltfreundliche Alternative zum Kadmiumgelb.

NY 13      Stil de Grain

Das Schüttgelb oder im Holländischen Schijtgeel (Scheißgelb) hat in etwa die Farbe und Konsistenz gelber Exkremente von Neugeborenen. Entweder leitet sich der Name von diesem Eindruck her oder von dem Umstand, dass die Kreuzdornbeeren, aus denen der färbende Anteil stammt, auch abführend wirken. Es hat eine sehr geringe Lichtechtheit. Je mehr Zeit vergeht, desto farbärmer wird das Bild.

PO 13      Turner-Orange

Das Benzidine-Orange oder Pyrazolon-Orange wird wegen der ausgezeichneten Wasserechtheit für Badeartikel und Konservenringe eingesetzt.

Bis zum 16. Jahrhundert wurde jede Farbe mit einem Orangeton als Gelbrot bezeichnet.

Erst als die Orangenfrucht von China nach Europa gelangte, wurde der Name der Frucht zum Namen eines Farbtons.

PO 67      Koralorange

Der Metamerie-Effekt ist anhand dieser Farbe sehr gut demonstrierbar. Das Palitol-Orange ist ein Verwandter der Pyrazolo-quinazolone-Pigmente.

PO 71      Mohnorange

In den 1970er-Jahren wurde das Mohnorange von Ciba-Geigy synthetisiert. Es findet vor allem in der Farbindustrie Verwendung. Da die Pigmente äußerst lichtecht sind, werden sie bevorzugt im Außenbereich verwendet. Mohnorange ist ein Diketopyrrolo-pyrrol-Pigment (DPP).

PR 104    Molybdänorange

Molybdänorange gilt als karzinogen und reproduktionstoxisch. Es ist ein Gemisch aus Bleimolybdänoxid (Wulfenit), Blei(II)-chromat (Krokoit) und Bleisulfat.

Das Bleichromatmolybdatsulfatrot ist ein deckendes, brillantes Orange, klassifiziert als ein rotes Pigment. Diese Farbe wurde unter anderem in Willem de Koonings Gemälden nachgewiesen. Es ist ein Industriepigment, welches u.a. beim Einfärben von Leitkegeln Verwendung findet.

PR 83      Alizarin-Krapplack

Alizarin-Krapplack ist die synthetische Variante des Färberkrepps (Rubia).

PR 106    Zinnober

Die Alchemisten glaubten, dass sie mit Quecksilber und Schwefel Gold herstellen könnten. Das enttäuschende Ergebnis war das Zinnober-Quecksilbersulfid. Die Farbe verändert sich mit der Zeit und bekommt kleine schwarze und weiße Punkte. Wird auch Cinnabarit, Chinesischrot und Drachenblut genannt.

PR 108    Kadmiumrot

Das Kadmiumsulfidselenid ist ein abnorm dunkles Tiefrot. Als Ölfarbe duftet es nach Nelken und Hyazinthen. Mittlerweile wird das Kadmiumrot fast nur noch als Künstlerpigment eingesetzt. Eigentlich ungiftig, setzt die Farbe jedoch beim Verbrennen das sehr giftige Kadmiumoxid frei. Weil es Entsorgungsprobleme gibt, wird die Farbe immer weniger eingesetzt. Das Kadmiumrot ist am äußersten Ende des wahrnehmbaren Spektralbereichs angesiedelt und auch drucktechnisch kann diese Farbe nur schwer nachgestellt werden.

PR 102    Spanische Erde

Auch Hämatit, Venezianischrot und Englischrot genannt, ist ein natürliches Eisenoxidrot. Das häufigste farbbildende Element der Erde ist Eisen.

Je nach Eisengehalt und Aufbereitungsart variiert der Farbton von einem gelblichen, violettstichigen bis zu einem dunkelbraunen Farbton.

Ohne Rücksicht auf den Variantenreichtum (siehe auch Ocker PY42, PY 43) eines einzelnen Pigments und die Schwierigkeiten der Farbbenennung klassifiziert die Society of Dyers and Colourists aus Bradford seit 1925 mit dem Colour Index die Farben nach ihrer chemischen Beschaffenheit. Diese Liste wird markennamenübergreifend genutzt.

PR 214    Fastogen-Super-Red 2R

Diese Farbe ist einem Kadmiumrot im Ton sehr ähnlich, jedoch deutlich lasierender. In der Industrie findet es beim Färben von Plastik Verwendung.

PR 207    Chinacridonscarlet

PV 19      Chinacridonviolett

Die sehr beständigen und lasierenden Chinacridon-Pigmente finden in unterschiedlichen Industrien, u.a. als Magenta-Pigment (PR 122) bei den Inkjet-Druckertinten und als Autolack Verwendung.

PR 105    Bleimennige

Auch Minium oder Saturnrot genannt. Aus dem Schreiben und Malen mit Minium (rote Anfangsbuchstaben in Büchern) entwickelte sich das Wort Miniatur. Wenn Bleiweiss gebrannt wird, oxidiert es weiter, und wird zu rotem Menninge. Überliefert ist, dass bei der Feuersbrunst in Piräus eine Schiffsladung von Bleiweiss mitverbrannt und danach als rotes Pigment wiedergefunden wurde.

PR 168    Anthradquinonerot

Ein in der Industrie sehr geschätztes Rot, welches äußerst licht- und wetterbeständig ist und darum bei verschiedenen Autolacken, Plastiken und Drucktinten zum Einsatz kommt. Lasierend. Es gehört mit Indanthronblau (PB 60) in eine Farbstoffgruppe.

PR 259    Ultramarinrot

PV 15      Ultramarinviolett

PG 24      Ultramaringrün

Das Ultramarinblau ist ein synthetisch hergestellter Lapislazuli. Je nach Herstellungsprozess und Natriumanteil entsteht ein blaues, rotes, violettes oder grünes Pigment. Ultramarin ist eine Herkunftsangabe und wurde erst später als Farbname benutzt. Das Ultramarinblau (Yves Klein-Blau) teilt sich mit dem echten Lapislazuli die Nummer PB29.

PV 16      Manganviolett

Manganviolett gehört zur Gruppe der magnetischen Pigmente und ist deckender als Kobaltviolett.

PB16       Heliogenblau

Heliogenblau ist der metallfreie, grünstichigste Vertreter der Phthalocyanin-Pigmente.

PB 33      Manganblau

Manganblau wird nicht mehr hergestellt. Heutige Bestände stammen noch aus einem Vorrat aus den 1980er-Jahre. Ein kaltes, leuchtendes, nicht mischbares Hellblau ohne Metamerie-Effekt.

PB 36      Kobaltblau Türkis

Dieses Pigment ist ein Mischoxid aus Kobalt, Chrom und Aluminium und äußerst lichtecht. Ein tieferes Cerulean-Blau mit grünen Untertönen.

PB 60      Indanthronblau

Indanthronblau ersetzte Anfang des letzten Jahrhunderts das unbeständigere Indigo als Farbstoff. Es ist rotstichiger als Preußischblau.

PB 82      Mayablau

Mayablau ist verkochtes Indigoblau mit Tonerde (Attapulgit), welches im Gegensatz zum normalen Indigo und Färberwaid echt lichtecht ist. Dieses Blau, das die Mayas einsetzten, war sehr lange ein Geheimnis. Erst vor kurzer Zeit - in den 1960er-Jahren - wurde die genaue Zusammensetzung wieder erforscht.

PB 86      YInMn-Blau

Die Yttrium- Indium-Mangan-Verbindung wurde zufällig im Jahr 2009 an der Oregon State University entdeckt. Das Pigment reflektiert einzigartig stark im infrarotnahen Spektralbereich (NIR) und ist ein nahezu perfektes, leuchtendes Blau. Es weist besseres Deckvermögen auf als Kobaltblau oder Cyan.

PB 74      Kobaltblau, dunkel

Kobalt-Zink-Siliciumoxid-Spinell ist eine neuere Variante des Kobaltblau (PB28) und wird auch in keramischen Techniken verwendet. 

PG 18      Chromoxidhydratgrün

Guignetgrün oder Viridian genannt, ist diese Farbe das wichtigste moderne Grünpigment. Das Grün der Banknoten wird u.a. damit gefärbt.

PG 19      Kobaltgrün

Auch Zinkgrün oder (nach dem Erfinder) Rinmansgrün genannt, ist ein Kobalt-Zink-Mischoxid.

PG 39      Malachit

Malchit war das wichtigste Grün bis zum 18. Jahrhundert. Seit frühester Zeit wurde es rege bei den Ägyptern, Griechen und Römern eingesetzt. Ein anderer Name ist Berggrün.

PG 50      Kobalttürkis

Kobalt-Lithium-Titan-Zinkoxit

Pbr 33     Mahagonibraun

Ein Zinkeisenchrombraun. Das braune Pigment weist die Spinellstruktur einer Oxidmischung aus Eisen, Zink und Chromit auf.

Zu dieser Arbeit erscheint im September 2019 in Zusammenarbeit mit dem Grafikbüro Grafikum in Wien und dem Verlag für moderne Kunst eine Publikation mit Textbeiträgen von Dorothea Strauss und Katrin Rosalind Bucher Trantow.

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