z.B. Polonius

  Drago Persic

z.B. Polonius


Schwarz-weiße Bilder mit einer unglaublichen Farbtiefe – zuerst einmal erscheint diese Aussage unmöglich. Aber sie treffen auf Drago Persics Malereien zu.

Denn die sehr detailliert ausformulierte Maltechnik, präzise festgehaltenen Lichtverhältnisse und Materialbeschaffenheit, lassen die/den Betrachter_in vergessen, dass Farben in den gemalten Bildern abwesend sind. Sie treten in den Hintergrund und geben den Blick frei auf feinste Schattierungen, auf das Zusammentreffen von Licht und Dunkelheit und der Bewegung dazwischen, die schlussendlich vom Künstler festgehalten werden kann.

Drago Persic macht sich auf die Suche nach Momenten, den Zwischenräumen, in denen Objekte eine Malbarkeit entwickeln. Ähnlich des Prozesses einer/s Schriftsteller­_in, die/der unermüdlich auf der Suche nach den „richtigen“ Worten ist, nach Formulierungen, Wendungen, Verbindungen, nach den Relationen von Distanz und Nähe, die einen Text fast mühelos erscheinen lassen aber doch nicht eintönig und flach – so macht sich der Künstler intensiv daran, Motive zu finden und ihnen auf den Grund zu gehen, sie zu erfassen – besser: sie zu fassen kriegen. Für Persic ist dieses Ergründen, ist die Möglichkeit der Malbarkeit die Herausforderung und die Leidenschaft in seiner künstlerischen Praxis.

In der Ausstellung z.B. Polonius wird der Vorhang zum Protagonisten. Es sind die Faltenwürfe, die Bewegung des Stoffs, aber auch die Momente des Versteckt- und Verdeckt-seins, die den Künstler so sehr interessieren. Der Vorhang rahmt und öffnet den Blick auf den Ausstellungsraum und legt sich über sämtliche Gegenstände in den Bildern. Die Objekte werden zu eigenständigen Charakteren, durch ihr Verdeckt-Sein zu Schauspielern auf der Bühne, die der Künstler in den Malereien konstruiert. Der Raum als Bühne bleibt aber noch immer ein unbestimmter – es ist den Bildern nicht abzulesen, wo sich dieser Raum befindet noch kann seine Beschaffenheit festgemacht werden. Einzig und allein ein Arrangement von Kosmeen sind frei, unbedeckt – sozusagen freigegeben für den Blick der Betrachter_innen. Die Frage stellt sich, ob sie Polonius zu Ehren – der erstochen am Boden liegt, unter seinem Vorhang, der ihn vor der Entdeckung schützen sollte um ungestört einem Gespräch zwischen der Mutter Hamlets und Hamlet selbst zu lauschen – dessen Grab zieren oder in ihrer simplen Schönheit von der Tragik ablenken sollen, die dieser Akt mit sich bringt.

Der Vorhang fällt.

Drago Persic, geboren (1981) in Banja Luk, Bosnien-Hezegowina, aufgewachsen in Österreich, lebt und arbeitet in Wien. Er studierte von 2002 bis 2007 an der Akademie der Bildenden Künste, Wien bei Muntean/Rosenblum, Elke Krystufek und Hans Scheirl. Seine monochrom gehaltenen, stets schwarz-weißen Malereien bauen auf präzise inszenierten Fotografien auf, aber beziehen sich auch auf filmische Szenen, die vollends orchestriert sind – Licht, Objekte, Schauspieler, Perspektiven und Konstellationen – in denen nichts dem Zufall überlassen wird, wie in den Filmarbeiten des dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer. Persics Malereien sind Dokumentationen einer Skulptur, die Malerei hält den bildhauerischen Prozess fest. Die Bilder, schlussendlich, werden zu Skulpturen und versuchen über das Format der Malerei hinaus zu gehen.

Text: Miriam Kathrein

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